Jemanden zu foltern, indem man ihn hinlegt und ihm ein Tuch auf das Gesicht legt und Wasser darüberschüttet, hört sich erst einmal lächerlich an. „Pfff“ denkt man sich, wie albern, da hat man ja ein Tuch auf dem Gesicht und man kann damit bestimmt sogar noch atmen. Stimmt genau. Aber wer so denkt, hat die Rechnung ohne Mutter Natur gemacht.
Das Problem ist natürlich nicht, dass man tatsächlich ertrinkt (deshalb sollte der Kopf auch tiefer liegen als der Rest des Körpers, damit kein Wasser in die Lunge kommt). Das Problem ist vielmehr, dass man das Gefühl hat, man würde ertrinken. Das ist nun ganz und gar nicht schön und funktioniert so:
Man liegt irgendwo rum (ich beispielsweise in der Wanne) und hat ein Tuch auf dem Gesicht. Auf einmal ist da eine ganze Menge Wasser, das auf das Tuch läuft (in meinem Fall kam es natürlich aus der Brause). Da kann man aber noch einigermaßen klar denken. Ich dachte mir, es sei bestimmt klug, durch die Nase zu atmen, weil man ja doch irgendwie Angst zur dem Wasser hat, weil man ja ertrinken könnte. Dumme Idee. Jeder weiß, wie blöd es ist, Wasser in die Nase zu bekommen und ein wenig Wasser geht ja nun auch durch, durch das Tuch. Also öffnete ich mehr oder weniger automatisch meinen Mund. Auch dumm. Denn ein wenig Wasser geht ja nun auch durch, durch das Tuch … Wenn man nun bei Sinnen wäre, müsste man den Mund einfach kurz wieder schließen (man bekam ja auch etwas Luft), sich ein wenig konzentrieren und das Wasser runterschlucken. Dann wieder von vorne. Klappt aber beim besten Willen überhaupt nicht. Man kann einfach nicht. Stattdessen läuft das bisschen Wasser einfach runter und man fängt vollautomatisch an zu würgen. Dieser Würgreflex suggeriert einem denn auch wirklich, dass man kurz vor dem Ertrinken steht (obwohl man ja gar nicht ertrinkt), dass sein Leben in wenigen Sekunden vorbei ist und dann kommt die Panik … und dann riss ich mir das Tuch vom Gesicht uns setzte mich auf und hustete ein wenig. Zehn Sekunden. Ich möchte nicht wissen, wie das ist, wenn man sich nicht das Tuch vom Gesicht reißen kann und sich nicht aufsetzen kann, wenn die Panik kommt.
Der Vollständigkeit halber: Die Technik nennt sich „Waterboarding„, ist so alt wie die Spanische Inquisition und soll angeblich letztes Jahr von der CIA verboten worden sein. Äußerst praktisch, weil sie zur „weißen Folter“ gehört und damit so gut wie nie nachgewiesen werden kann. CIA-Mitarbeiter, die das auch mal ausprobiert haben, hielten es im Durchschnitt 14 Sekunden aus.
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Pingback von De tormento « Fernmuendliches 11 Juli, 2008 @ 8:45