Gespeichert unter: Dinge, Filme & Fernsehen | Schlagworte: Bachmannpreis, Handy, Klagenfurt, Longplay, Tweitter, Video, Videokassette, Videorekorder
Die Erfindung des Videorekorders war eine sehr komische Erfindung. Ich habe mal gelesen, dass die Fernsehmacher früher, als der Videorekorder noch etwas ganz neues war, Angst hatten, dass kein Mensch mehr Fernsehen guckt. Wegen der Werbung. Weil keiner die sehen will (was ich nicht verstehen kann) und alle immer alles aufnehmen werden, um dann die Werbung beim späteren Ansehen zu überspulen. Da haben sie aber umsonst Angst gehabt. Beziehungsweise überhaupt nicht verstanden, warum Menschen überhaupt Fernsehen gucken – also das, was sie machen, die Fernsehmacher.
Ich gucke mir jedenfalls gerade etwas auf Video an. Ich nahm es sogar selbst auf, auf Video. Den Bachmannpreis. Aus Klagenfurt. Den Bachmannpreis, den man trotz andauernden Germanistikstudiums auf Video aufnehmen muss, weil man a) zwischen neun und siebzehn Uhr trotz Germanistikstudiums etwas zu tun hat oder b) wegen Germanistikstudiums schlafen muss. Deshalb guckt man dann abends ein verkrisseltes Bild (dank mindestens zehn Jahre alter Videokassette und Aufnahme in Longplay, da über sechs Stunden aufgenommen werden wollten) und fragt sich immer wieder, warum man eigentlich guckt, weigert sich allerdings zu spulen, weil der Bachmannpreis irgendwie genauso aufregend ist, wie ein Videorekorder oder eine Videokassette. Eine Videoaufnahme in Longplay. Und das sollte man genießen. Irgendwie.
Es liegen noch mehr als drei Stunden vor mir. Vor uns. Das heißt, vor mir und meinem unablässig unter dem Namen „insofern“ twitternden Bachmannpreis-Videoaufzeichnungs-Mitgucker, dessen Stimme bei jedem neuen Tweet aus meinem Handy schallt („bieb bieb – bieb bieb“: ich habe ihn tatsächlich irgendwann einmal um diese Aufnahme gebeten).
Morgen werde ich einfach nur ganz viele Bilder posten. Klagenfurt, ey …
Zorro.
Gespeichert unter: 1, Befindlichkeiten, Entscheidungen, Erklärungen, Heimat | Schlagworte: Chris Anderson, Clip, Demokratie, Frankreich, Musik, Pitchfork, Prosumer, Selbstironie, Streaming, vdm, Video, viedemerde, Web 2.0, you tube
Pech im Web 2.0
Mitmachen ist ja seit geraumer Zeit alles im „neuen Internet“, dem Web 2.0, Selbstironie entgegen ewiger Proklamationen der „Egomanengesellschaft“ dabei durchaus konstitutiv. Das zeigt zum Beispiel die französische Seite videmerde.fr. Hier kann man seine alltäglichen Missgeschicke, kleine Peinlichkeiten und die ganz großen Malheurs, die das Leben so mit sich bringt, der geneigten Popkultur zugänglich machen. Die Feststellung des geteilten Schicksals, dass auch andere mit den linken Fuß zuerst aufstehen und man wenigstens noch unter die Top-Pechvögel gewählt werden kann, lässt das „Scheißleben“ irgendwie erträglicher erscheinen.
Gute Entdemokratisierung
Das Internet wurde in jüngster Zeit von Video-Streaming-Portalen überschwemmt. Der überforderte Prosumer findet kaum mehr die Plattform, die seinen Wünschen entspricht. Dabei ist er selbst Schuld an der Angebotsflut, schließlich hat er redlich Gebrauch gemacht vom Upload-Speed und den „demokratisierten Produktionswerkzeugen“. Während der Platzhirsch youtube.com diesen Trend fördert und allerlei inhaltsleeren Clip-Ballast auf den Bildschirm bringt, bietet das kürzlich gestartete Pitchfork.tv ruckelfreie, fachkompetente Musikdokumentationen, Interviews, Konzerte und Musikclips für das Indie-Publikum mit Anspruch: Qualität durch Selektion.
Icarus.