Fernmuendliches


West-Westdeutschland Teil 3: Aachen

Am nächsten Tag fuhren wir nach Aachen. Natürlich wieder Ländchen-wechsel-Dich spielend und ständig zwischen Deutschland und den Niederlanden changierend. Zumindest kam es mir so vor. Das Landschaftsbild hat sich dabei nicht wirklich verändert.

Irgendwo zwischen Süsterseel und Aachen

Wahrscheinlich gefällt mir die Landschaft noch am besten im Westen-Westen, aber das meiste davon haben diese Westmenschen ja mit tausend hässlichen Städten vollgebaut. Die kann ich auch alle nicht leiden. Aber na ja …

Aachen jedenfalls. Aachen ist ja nun zumindest schon mal eine größere Stadt in all der Landschaft und ist auch nicht so hässlich wie Bochum zum Beispiel. Vielleicht ist Aachen sogar ganz schön, wenn man es mag, aber mir gefiel es überhaupt nicht. Und die Menschen waren auch komisch. Sehr prollig, wie Falk treffend schrieb. Aber wir waren ja auch nicht wegen der Menschen da oder wegen irgendwelcher Häuser, sondern wegen Karl. Das obligatorische Kulturprogramm jeder Reise, vermutlich Folge 2879 – dieses mal eben Aachen und Karl der Große.

Irgendwie wusste keiner von uns so richtig, wo wir hinmussten, aber so schwer zu finden war es dann wirklich nicht. Zunächst das Rathaus, das man nun beim besten Willen nicht übersehen kann, auch wenn man sich noch so sehr anstrengt. Eigentlich sieht man nichts anderes als das Rathaus, wenn man auf dem Platz davor (mein Tipp: Rathausplatz) steht. Es ist wie eine Wand.

Aahcner Rathaus

Nochmal das Rathaus

Hier wird der Karlspreis verliehen, in so einer Halle ein paar Stockwerke höher. Die haben wir uns angeguckt, ich fand sie aber eher unspektakulär mit hässlichen Bildern an der Wand (und Fotos von allen Karlspreisträgern im Treppenaufgang: von Bill Clinton bis zum Euro).

Dann ging es weiter zum Dom. Der Dom erinnert mich irgendwie daran, wie ich früher mit Lego gespielt habe und natürlich schon lange alle Steine so durcheinander gebracht hatte, dass er unmöglich war (farblich im Fall von Lego) zusammenhängend zu bauen. Man nimmt einfach was kommt und wenn ich heute die letzten drei roten Steine verbaue, dann nehme ich morgen halt die gelben … Und wenn jemand um 800 irgendwas baut, dann baue ich eben 1400irgendwas weiter. Passt schon.

Dom

Im Dom haben wir dann sogar eine Führung gemacht (unter Protest des Gastgebers natürlich, den sowas „überhaupt nicht interessiert“, aber wenigstens keine Angst macht, wie unsere Handys), weil man alles Interessante nur mit Führung sehen konnte. Die Führung war … wie alle Führungen eben so sind. Ungewollt unglaublich komisch natürlich, obwohl das jedem anderen Führungsteilnehmer mit einer Selbstverständlichkeit entgeht, die mir manchmal schon fast Angst macht.

Wir durften dann also auch in die Chorhalle und die Fenster angucken, auf denen unten immer Werbung steht („Commerzbank“ zum Beispiel) als Dank für die Spende …

Domfenster - hier ohne Werbung

… und einmal um den Marienschrein laufen, in dem die Aachener Heiligtümer (eine Windel von Jesus, sein Lendentuch, das Kleid von Maria und das Enthauptungstuch von Johannes dem Täufer) liegen. Dafür wird auch alle sieben Jahre eine Heiligtumsfahrt veranstaltet und ein wenig wie ein Pilger kam ich mir bei der Runde schon vor … Wir waren ja auch auf dem Pilgerweg, wie uns draußen schon ein Aufkleber angezeigt hatte!

Pilgerweg in Aachen

Am Ende ging es dann endlich nach oben zum Karlsthron. Auf dem sind ein paar Mühlespiele eingeritzt, was ich erneut nur mit dem Ausdruck pure Adäquanz beschreiben kann. Wenn ich jemals einen Thron haben sollte, werde ich sicher gehen, dass auch auf ihm einige Spielfelder sind!

Mühle spielen mit Karl dem Großen

Ich stelle mir das äußerst witzig vor, so einen Thron mit Spielen drauf. Man fragt sich natürlich, ob jemals jemand auf dem Thron Mühle gespielt hat. Wahrscheinlich nicht. Bei der Führung hab ich nämlich gelernt, dass die Könige sowieso nur einmal kurz nach der Krönung auf dem Thron sitzen durften und das Karl der Große wohl überhaupt nie drauf gesessen hat. Uns so war wohl einfach keine Zeit zum Spielen.

Die Stufen herauf zu diesem Thron sind übrigens reichlich abgetreten. Dass das nicht von den Königen kommen kann, die nie auf den Thron durften, ist klar. Vielmehr waren es die ganzen Kinder, die bis vor fünf Jahren bei jeder Führung auf den Thron durften, bis man feststellte, dass sie ihn kaputt machen. Ich habe diese blöden Kinder, die immer auf dem Karlsthron rumgeklettert sind, sofort nicht leiden können, als mir diese Geschichte erzählt wurde.

Leider war ich eins von ihnen.

Das ist so eine Sache.

Ich habe heute mit meiner Mutter telefoniert und ihr diese Geschichte erzählt. Und promt kam die vernichtende Ansage: „Da durftest Du doch auch mal drauf sitzen, weißt Du nicht mehr?“ Nein, ich wusste nicht mehr, was mich zu der Frage bringt, warum mit Kindern ständig solche Kulturprogramme absolviert werden, wenn sie sich später sowieso an nichts erinnern können. Wenn ich heute noch alles wüsste, was ich als Kind gesehen habe, dann wäre ich ein so unglaublich kulturell gebildeter Mensch … So bin ich einfach nur ein Mensch, der als Kind den Karlsthron zertreten hat und sich noch nichtmal dran erinnern kann.

Wenigstens saß ich mal drauf. Selbst Karl der Große hat das nicht geschafft.

Wir sind dann noch ein wenig durch die Stadt gelaufen, auf der Suche nach Kaugummis (ich zumindest). Die gestaltete sich sehr schwer, letzten Endes dann aber doch erfolgreich. Zu Aachen an dieser Stelle nur noch zwei Bilder von Sparkassen. Ich fand sie beide auf ihre Weise seltsam, ob nun die Filiale völlig ohne Sparkassen-Rot oder der Automat mitten in der Stadt in einer Sparkassen-roten Box …

Sparkasse ohne Sparkassen-Rot

Sparkassen-Automaten-Box

Dann sind wir wieder nach Hause gefahren, nach Süsterseel, durch die Niederlande natürlich. Dort haben wir gegessen: Fritten natürlich. Ich habe mich von nichts anderem ernährt. Wie ich mir sagen ließ, sei es in der Gegend völlig normal, sich einmal in der Woche (mindestens) Fritten zu holen. Nach Hause zu holen. Das muss nun wirklich mit der Nähe zu den Niederlanden zu tun haben, denn allein dafür gibt es überall Buden. Wir kauften also Fritten und Stubbis und zwar bei „Noras Grill“, wo die Menschen genauso laut und proletarisch waren wie überall sonst auch in der Gegend. Wenigstens sah der Laden von außen überaus adäquat aus.

Noras Grill in Süsterseel



West-Westdeutschland Tag 2: Der Selfkant
26 Mai, 2008, 10:29
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Am nächsten Morgen wachte ich also in Süsterseel auf. In einem kleinen, höhlenartigen Zimmer, mit einer viel zu niedrigen Tür, an der ich mir am ersten Tag mindestens fünfzehn Mal den Kopf stieß (als hätte ich nicht schon so genug Kopfschmerzen gehabt), bis ich meinem Körper eine vollautomatisierte Duckbewegung beim Betreten und Verlassen dieses Zimmers angewöhnt hatte.

Süsterseel aus der Entfernung sieht gar nicht so anders aus, wie die Gegend, aus der ich komme, nur, dass es ein wenig hügeliger ist. Es ist eben so ein kleines Dorf, irgendwo zwischen Feldern, mit einer Kirche und ein paar Häusern.

Süsterseel

Die Häuser sind manchmal sogar ganz hübsch anzuschauen, wie das, in dem wir wohnten.

Haus in Süsterseel

Trotzdem sehen sie anders aus, als die Häuser, die ich kenne. Und meistens finde ich sie dann doch nicht hübsch. Über die Beflaggung und das ganze andere Zeug hat Falk ja schon berichtet, ich habe trotz der Ignoranz unseres Gastgebers diesem ganzen „Dorf-Kram“ (wie er es nannte) gegenüber ein paar Fotos davon gemacht, weil es mich zu sehr irritierte und nahezu allgegenwärtig war. Wenn also irgenjemand das hier liest und sich mit sowas auskennt … Ich freue mich über jede Form der Aufklärung.

Fahne am Haus (\

Zeug am Haus (\

Wir sind dann erstmal durch den Wald und die Felder gelaufen. Was soll man auch sonst tun. Und da Süsterseel nun einmal zur westlichsten Gemeinde Deutschlands gehört, verwundert es nicht, dass die Niederlande nicht weit sind. Man kann machen, was man will, gehen oder fahren, wohin man will, irgendwie landet man immer in den Niederlanden. Das geht so weit, wie im Wald, wo man vielleicht nochmal einen Grenzstein sieht, aber ganz bestimmt nicht mehr weiß, auf welcher Seite jetzt welches Land ist.

Grenzstein im Wald

Diesen Zustand kann man Süsterseel nun eigentlich nicht vorwerfen und eigentlich ist es ja auch eine gute Sache, trotzdem hat mich dieses ständige Länderwechseln ein wenig irritiert. Ich wohne ziemlich weit weg von jeder Grenze und vor zwanzig Jahren, als der Landkreis Gifhorn noch eine Grenze zu einem anderen Land hatte, da konnte man über diese Grenze nun ganz bestimmt nicht einfach so rüberlaufen und man hat auch bestimmt nicht vergessen, wo sie war oder in welcher Richtung jetzt welches Land liegt …

Pure Adäquanz erreicht der Zustand dieser Ländervermischung im Selfkant allerdings in dem Moment, in dem man einen Supermarkt betritt. Da ist nämlich einiges an niederländische Verhältnisse angepasst, so auch das Angebot an Schokoladeneiern. Neben den normalen Überraschungseiern, deren großer Fan ich bin, gibt es nämlich auch noch eine Menge mehr Eier, wie Barbie-Eier oder Spongebob-Eier oder was weiß ich. Wenn ich etwas aus West-Westdeutschland hier auch haben wollte, dann wäre es genau das und sonst nichts. Nur das Eier-Angebot, den Rest können sie getrost behalten.

Eier-Angebot im Selfkant

Sonst gab es nicht viel zu sehen, vor allem nicht zu fotografieren, da unser Gastgeber schon allein jedes in-die-Hand-nehmen des Handys (mit dem ich – oder wir – fotografierten) als Affront auffasste. Seiner Meinung nach ist das alles „Wahnsinn“ mit den Handys. Das ist wohl auch der Grund, weshalb er nie zu erreichen ist. Wäre ich mir nicht sicher, dass ich mir eine Menge Rumgeschreie anhören müsste, sollte der betreffende junge Mann dies hier jemals lesen (was wohl doch eher unwahrscheinlich ist, denn Blogs sind „Schwachsinn“), würde ich an dieser Stelle seine Handynummer veröffentlichen und würde demjenigen, der es schafft, unter dieser Nummer jemanden zu erreichen, einen großen Preis versprechen. Mir ist es nämlich noch NIE gelungen.

Und weil eben jener fortschrittsfeindliche Gastgeber am eben jenem Abend auf einmal schlafen wollte und er, wenn er selbst von etwas überzeugt ist – sei es, dass Handys Wahnsinn sind, oder eben, dass es Zeit für ihn – und somit auch für uns – zu schlafen ist -, absolut keine Gnade kennt, habe ich die Nacht, oder zumindest einen Teil von ihr dann auf einem Feld bei Süsterseel verbracht. Auf irgendeiner Ackerkante sitzend, in totaler Finsternis, weil man ja im Dorf nicht mehr reden darf zu späterer Stunde, meine Klamotten verdreckend und Stubbi-Weitwurf (man bestellt in Süsterseel auch kein Bier, sondern Stubbis …) praktizierend (den ich im Übrigen gewonnen habe, auch wenn Falk versucht hat durch Nachtreten zu betrügen) und mich heimlich (oder auch nicht so heimlich) wundernd, was in Dreiteufelsnamen ich eigentlich im Selfkant mache. Die Antwort schlief zu dieser Stunde wohl schon.



West-Westdeutschland Tag 1: Die Fahrt

Das letzte Wochenende habe ich am anderen Ende der Republik verbracht. Man unterschätzt die Breite Deutschlands ja immer. Wenn man auf eine Karte guckt, dann denkt man immer, Deutschland sei lang, aber ich glaube, dass das eine optische Täuschung sein muss. Deutschland ist breit. Sehr breit. Und ich fuhr nun aus dem Osten (wobei noch nichtmal aus Ost-Ostdeutschland, sondern nur aus Berlin) in den Selfkant, die westlicheste Gemeinde Deutschlands, also den absoluten West-Westen (siehe Wikipedia „Liste der Ortsnamen, die mit Artikel gebraucht werden„: DIE Bronx, DER Selfkant …: Die Parallele hat was.).

Ich fuhr nicht alleine, sondern in Begleitung. Eine andere Perspektive auf den Selfkant und das ganze drum herum, findet sich dementsprechend bei meinem Begleiter, also hier. Den ersten Tag unserer Reise kann man getrost mit den Worten „der Weg ist das Ziel“ umschreiben, schließlich trafen wir erst nach Mitternacht in Geilenkirchen ein, wahrscheinlich der nächstliegende Bahnhof für unser endgültiges Ziel Süsterseel.

Dazwischen lag eine lange Bahnfahrt. Schon im Vorfeld haben wir uns viele Gedanken darüber gemacht, wie wir die Zeit verbringen könnten. Am Ende kam es mir gar nicht so lange vor, aber das lag wohl an vielen verschiedenen Faktoren. Wir reisten im BordRestaurant des ICE 542 von Berlin nach Köln/Bonn (mit Zugteilung in Hamm). das BordRestaurant ist in meinen Augen der einzig adäquate Platz für eine solche Reise mit der Bahn. Man sitzt besser, man sieht mehr und man kann essen und trinken, so viel man will oder bis einem eben das Geld ausgeht. Nur rauchen darf man natürlich nicht. Das ist ja immer so.

Also saßen wir im BordRestaurant und tranken Bier. Aus erstaunlich geschmackvollen Gläsern im Übrigen, auf denen natürlich das Bahn-Logo zu sehen ist:

Bahn-Bierglas in der Bahn

Und dazu gab es Essen von Eduard Hitzberger aus der Schweiz, der zwei Sterne und drei Hauben hat. Natürlich aßen wir das Menü, aber nur, weil es zum Menü einen Suppenspatz gab. Sonst hätte bei mir das Kanninchen dran glauben müssen, aber wer lässt sich allen ernstes ein Essen entgehen, das Suppenspatz heißt?

Zwei Sterne und drei Hauben

Der Suppenspatz auf der Karte

Der Suppenspatz in echt

Soviel zu unserer Ausgangsituation, da waren wir also: Donnerstag abend biertrinkend und suppenspatzessend durch Deutschland fahrend, von Ost nach West ohne genau zu wissen, was uns überhaupt erwarten würde, im Westen. Die Fahrt führte zunächst zu mir nach Hause. Vorbei an Wolfsburg …

Wolfsburg

… zu dem immer alle „Wolzburg“ sagen, auch die Zugdurchsager und wo ich, will ich nach Hause fahren immer in die Regionalbahn umsteige; vorbei an Gifhorn, wo selbstverständlich kein ICE hält (wenn man es genau nimmt, dann hat der ICE auf der Hinfahrt auch nicht in Wolfsburg gehalten, aber immerhin halten dort manchmal ICEs) und man deshalb das kleine Bahnhofsgebäude auch nicht fotografieren kann, weil man eh immer zu spät auf den Auslöser drückt und Gifhorn aus dem ICE sowieso immer nur so aussieht:

Gifhorn

… bis nach Hannover …

Hannover

… Bahnhöfe gucken. Keine schönen, wie man sehen kann, aber welcher Bahnhof ist schon schön? Und außerdem wirken diese Bahnhöfe seltsam vertraut auf mich und die Menschen, die auf diesen Bahnhöfen herumlaufen, sind Menschen, die man kennt und irgendwie auch ein wenig mag, auch wenn man nichts mit ihnen zu tun haben will. Nach Hannover wurde das dann allerdings schnell anders. Bis Bielefeld geht es noch, meinetwegen. Ich habe Verwandtschaft in Bielefeld, deshalb ist mir die Stadt nicht ganz so fremd und sie ist ja auch noch nicht in West-Westdeutschland. Nur eben nicht mehr in Niedersachsen. Oder meinetwegen auch Sachsen-Anhalt. Oder was weiß ich denn. Stattdessen: Nordrhein-Westfalen. Mmh.

Übrigens haben wir gespielt, als wir biertrinkend im Zug saßen. Nicht lange, nur ein Spiel und um das hatte es schon im Vorfeld eine lange Debatte gegeben. Natürlich über Skype:

[21.05.2008 22:47:25] Anne: wir können auch stadt land fluss spielen
[21.05.2008 22:47:45] Falk: nein
[21.05.2008 22:47:50] Anne: warum nicht
[21.05.2008 22:47:50] Falk: ich hasse das spiel
[21.05.2008 22:47:55] Anne: warum?
[21.05.2008 22:48:09] Falk: weil du gewinnen wirst und mein vorschlag viel sexier ist!
[21.05.2008 22:48:14] Anne: ich fände DAS sehr witzing
[21.05.2008 22:48:21] Anne: und man kann es auch veröffentlichen
[21.05.2008 22:48:23] Falk: nein, scheiß
[21.05.2008 22:48:32] Falk: ich werde verlieren
[21.05.2008 22:48:36] Anne: na und?
[21.05.2008 22:48:43] Falk: jajajajajajajajajajajaja
[21.05.2008 22:48:45] Anne: beim fußball hast du auch jahrelang verloren
[21.05.2008 22:48:45] Falk: ja
[21.05.2008 22:48:53] Falk: das ist was anderes
[21.05.2008 22:48:57] Falk: das macht mir spaß
[21.05.2008 22:49:00] Anne: außerdem könntest du dich anstrengen
[21.05.2008 22:49:07] Falk: wieso?
[21.05.2008 22:49:12] Anne: um zu gewinnen
[21.05.2008 22:49:21] Falk: um mit anstrengung zu verlieren
[21.05.2008 22:49:31] Anne: das sagt doch gar keiner
[21.05.2008 22:49:44] Falk: doch, ich sage das, seit geraumer zeit
[21.05.2008 22:49:57] Anne: aber du hast keine grundlage!
[21.05.2008 22:50:12] Falk: wie, keine grundlage: zählt erfahrung etwa nicht
[21.05.2008 22:50:13] Falk: ?
[21.05.2008 22:50:27] Anne: haben wir schon jemals stadt land fluss gespielt?
[21.05.2008 22:50:43] Falk: nein, aber ich habe schonmal stadt land fluß gespeilt
[21.05.2008 22:50:52] Falk: und immer verloren
[21.05.2008 22:50:56] Falk: egal, gegen wen
[21.05.2008 22:50:56] Anne: aber vielleicht bin ich noch schlechter
[21.05.2008 22:51:09] Falk: davon ist nun mal absolut nicht auszugehen
[21.05.2008 22:51:12] Anne: das kannst du nicht wissen, also: keine grundlage

Ich habe mich durchgesetzt, wie diese Fotos belegen:

Stadt-Land-Fluss Anne

Stadt-Land-Fluss Falk

Und Falk hat auch Recht damit behalten, dass er verlieren würde (175:300), dabei war ich sogar sehr großzügig. Man werfe nur einen Blick auf das folgende Bild und sage mir, ob es berechtigt ist, dass Falk für seinen Fluss „E“, der die Ems darstellen sollte, was er aber aus Zeitgründen nicht mehr aufgeschrieben bekommen hat, Punkte bekommen hat. Er hat nämlich.

Fünf Punkte für ein \

Ems, my ass … Aber genug vom Spielen im Zug. Und soviel zum Gewohnten. Bald mussten wir nämlich aussteigen. Nach Dortmund, Bochum, Hamm, Essen und Duisburg (nicht zwingend in dieser Reihenfolge) mussten wir uns von unserem inzwischen beinahe lieb gewonnenen Bahn-Kellner trennen, der sich zum Abschied auch noch bereitwillig fotografieren ließ.

Unser Kellner (wenn man das im Zug überhaupt so nennt)

Dann waren wir in Düsseldorf. Und damit in der Fremde. Falk hat den Westen, also diesen richtigen Westen der Republik, hier schon einmal treffend charakterisiert. Er ist mir äußerst unsympathisch dieser Westen und ich kann beim besten Willen nicht verstehen, was man an ihm finden kann. Ich kann den Westen nicht leiden und als wir dann durch die Düsseldorfer Bahnhofshalle liefen …

Düsseldorf

… die eigentlich genauso aussieht, wie jede andere Bahnhofshalle jeder anderen größeren Stadt Deutschlands, kam ich mir trotzdem vor wie in einem anderen Land. Die Bedienung an der „heissen Wurst“ hat mich auch nicht verstanden, als ich – man muss ja in so einer Situation – noch ein Bier für die Restfahrt kaufte (im RE gibt es ja kein BordRestaurant und auch sonst nichts), aber das lag wohl eher daran, dass sie nun wirklich aus einem ganz anderen Land stammte.

Die \

Insgesamt fühlt ich mich schon wie ein rechter Abenteurer, als wir dann in den Wupper-Express einstiegen, um durch dieses fremde Land in die noch fremdere Fremde zu fahren. Wupper-Express. Der Name klingt schon so fremd. Er klingt so, wie die Gengend dort ist: Wupper. Wenn man das Wort etwas in die Länge zieht, dann bekommt man so ziemlich die Quintessenz dessen, wie sich jedes Wort in der Sprache, die man im Westen-Westen spricht, anhört. Und irgendwie benimmt man sich dort auch so, wie man Wupper ausspricht.

Wupper-Express

Mit dem Wupper-Express dann also über Mönchengladbach, Erkelenz, Neuss, Rheydt und Hückelhoven-Baal (das sich beim besten Willen nicht fotografieren lassen wollte, jedenfalls nicht mit Namensschild: ich habe es auf Hin- und Rückfahrt versucht!) und noch irgendwas (und bestimmt auch nicht in dieser Reihenfolge nach Geilenkirchen. Und auch endlich mit der Gewissheit, dass uns in Geilenkirchen jemand abholen würde, die Person nämlich, wegen der wir diese ganze Fahrt überhaupt erst angetreten haben. Vorher konnten wir uns da nämlich nicht so sicher sein … Aber letzten Endes wurde alles gut und irgendwann waren wir tatsächlich am Ziel, am anderen Ende Deutschlands und irgendwie auch am (anderen) Ende der Welt. Unserem Zuhause für die nächsten Tage: Willkommen in Süsterseel!

Unser Zuhause in Süsterseel