Fernmuendliches


Die Eule ist stocksauer

Es wird später, die Eule fitter. Sie ist im Grunde sogar voller Tatendrang. Seit sie eingesehen hat, dass sie unschuldig ist und auch gar nicht faul („Wie die Vögel, die zu unterschiedlichen Tageszeiten singen, besetzen auch die Menschen verschiedene Zeitnischen“: GesundheitPro), geht es ihr besser. Sie wünscht sich zwar immer noch ein wenig, eine Lerche zu sein, aber ändern kann sie es ja leider nicht. Höchstens kann sie sich trösten, und zwar mit der Perspektive, dass sich die Schlafgewohnheiten mit zunehmendem Alter ändern. Ältere Menschen werden tendenziell lerchiger, als sie es als junge einmal waren. Das nennt man charmanterweise „senile Bettflucht„. In der Tat: welch Trost!

Die Eule ist aber auch stocksauer. Und heute nicht, weil sie Naruto nicht gucken konnte oder die Folge an unpasstenster Stelle aufhörte (sie hörte an unpassender auf, aber das ist ein Problem an Serien generell). Die Eule konnte Naruto gucken, weil sie Naruto am Freitag nicht geguckt hat und Naruto hat sie sehr aufgeregt. Im Positiven Sinne. Aber sauer ist die Eule, weil sie einen Tag vor Semesterbeginn feststellen musste, dass:

Erstens: Kurse, die sie belegen wollte auf einmal entfallen und zweitens: Es KEINEN Kurs zur Frühen Neuzeit gibt, der sie interessiert. Es gibt sowieso nur zwei Kurse zur Frühen Neuzeit und zwei andere, die sie interessieren. Jetzt wird die Eule nur Kurse belegen, die sie überhaupt nicht interessieren. Die Eule kann sich aber auch hier trösten und dieses Mal mit der Perspektive, dass sie den Großteil des überaus spannenden Seminars „Preußische Infrastruktur im 19. Jahrhundert. Landeserschließung – Kommunikation – Herrschaft“ allein im Geheimen Staatsarchiv verbringen wird. Und damit, dass sie keine Angst zu haben braucht, denn: „Keine Angst vor der Handschrift; das geht schnell und macht Spaß!“.

Die Eule wird jetzt wieder an die Arbeit gehen. Denn wenn schon nichts passiert, dann will sie dieses „Befindlichkeits-Blogging“ doch wenigstens kurz halten. Die Eule überlegt noch, ob sie demnächst ein neues Spiel starten soll. Es trüge den Titel: „Erfindet Euren Satz nach Bollywood Art„. Aber das hat noch ein wenig Zeit, denkt sich die Eule und ist entsetzt, dass sie inzwischen nicht nur in der dritten Person mit sich und über sich redet, sondern nun auch noch schreibt (warum die Eule das macht, erklärt sie vielleicht beim nächsten Mal).

Planet.



18 Punkte für eine Eule
13 April, 2008, 3:26
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Kürzlich konnte man bei SpOn ein schönen Artikel über Lerchen und Eulen lesen. Darin wurde erklärt, wie schwer es Eulen haben: „Mit dem Leben kommen Lerchen in der Regel besser klar“, war dort zu lesen. Und dass Eulen unter einem permanenten „social jetlag“ leiden, weil ihre innere Uhr dem von der Natur und auch unserer künstlichen Zeiteinteilung vorgegebenen 24-Stunden-Tag ständig hinterherhinkt. Dieser Jetlag „ist dem Jetlag vergleichbar, den wir nach Flügen über Zeitzonen erfahren, nur begleitet er die Betroffenen meist ein Leben lang.“ Damit einher gehen dann Nikotin und Alkohol – die Eule braucht Stimulanzien, um überhaupt über den Tag zu kommen. Die Eule hat ständig Stress. Und zu allem Überfluss kann die Eule nichts gegen diesen Zustand tun, denn der Chronotyp wird von bstimmten Genen gesteuert und somit vererbt. Die Eule bleibt also Eule, egal was sie tut. „Arme Eule“ denkt man sich.

Ich hab gerade zwei Tests absolviert, um meinen Chronotypus zu bestimmen. Ich hatte wohl schon eine Vermutung, aber das es so schlimm ist, hätte ich dann doch nicht gedacht. Beim ersten Test gab es maximal 24 Punkte. 24 Punkte bedeutet, dass man nicht eulischer sein kann, als man ist. Ich hatte 23. Beim zweiten Test war man von 31-32 Punkten eine „starke Eule“. Ab 33 wurde es langsam besser. Ich hatte 18 Punkte. ACHTZEHN! Ich bin so eulisch, dass ich in der Testauswertung gar nicht mehr vorkomme und ich habe immer ehrlich geantwortet und nicht übertrieben!

„Arme Anne“ denke ich mir jetzt also. Aber wenigstens weiß ich jetzt, woran ich bin. Und ich weiß auch, dass ich meine (bislang auch überaus unerfolgreichen) Versuche, mir ein anderes Leben anzugewöhnen einfach wieder einstellen kann. Es bringt schließlich eh nichts. Denn: Seit ich versuche, früher aufzustehen und früher schlafen zu gehen, hat sich meine Produktivität in etwa halbiert.

Früher sah ein normaler Tag ohne weitere Verplichtungen so aus (in etwas verkürzter Darstellung): Lange schlafen – an den Schreibtisch setzen – ins Bad gehen – rumhängen – so Sachen machen – an den Schreibtisch setzen – spät schlafen gehen. Versuche ich nun (wie in letzter Zeit), mich anzupassen und früher ausfzustehen, passiert folgendes: Früh aufstehen – viel zu müde sein, um irgendwas zu machen, also rumhängen – ins Bad gehen – rumhängen – so Sachen machen – ein schlechtes Gewissen kriegen, weil es ja schon spät ist und man ja morgens früh aufstehen will („dann hat man noch was vom Tag“), also: – schlafen gehen. Ich beraube mich also selbst meiner produktivsten und leitungsstärksten Phase und für was? Für nichts! REIN GAR NICHTS!

Damit ist ab heute aber Schluss und deshalb sitze ich auch gerade noch am Schreibtisch. Weil ich eine Eule bin und weil ich eine Wette mit einem Betrunkenen abgeschlossen habe, die ich zwar nie im Leben gewinnen kann, aber ich mir zumindest selbst beweisen muss, dass ich sie hätte gewinnen können, wenn ich mein Dasein als Eule einfach nur zwei Tage früher akzeptiert hätte …

Welt.